Beiträge

Mitgefühl

Bestimmt haben Sie die Bilder sofort im Kopf: Ein kleiner Junge auf dem Rücken einer Gans, hoch oben über den weiten Wäldern Schwedens. Heute vor 86 Jahren ist die Frau gestorben, die uns diese Geschichte geschenkt hat: die Literaturnobelpreisträgerin Selma Lagerlöf.

In ihrem berühmten Buch verwandelt sich der freche Nils Holgersson in einen winzigen Wichtel. Auf dem Rücken eines Gänserichs zieht er durch Schweden und muss dabei allerlei Abenteuer bestehen. Am Ende hat er viel über Land und Leute gelernt. Aber vor allem hat sich der egoistische Junge im Mitfühlen und Helfen geübt. Damit wurde er zu einem liebens- und vertrauenswürdigen Jungen und zum Freund auch der Tiere. Der Fluch wurde gebannt und Nils wieder zum Jungen.

Dabei ist Mitgefühl heute manchmal fast ein Schimpfwort – manche halten es für eine Schwäche. Aber ist es nicht genau das Gegenteil? Wir alle sind irgendwann im Leben auf die Hilfe anderer angewiesen – als Kind, wenn wir krank sind oder im Alter. Ohne Mitgefühl würde unsere Gesellschaft schlicht nicht funktionieren.

Im christlichen Sinne bedeutet das: Gott lieben und seinen Nächsten wie sich selbst. Eigentlich ganz einfach – und doch die wichtigste Grundlage für ein gutes Miteinander, egal ob in der Familie oder in der großen Weltpolitik. Selma Lagerlöf hat uns mit Nils Holgersson gezeigt: Wer mitfühlt, gewinnt am Ende, immer.