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3 Tage

„Und? Hast du schon alles für Sylvester vorbereitet?“, fragt mich eine Freundin am Telefon. „Na sicher“, behaupte ich, und schaue mich panisch in meiner Wohnung um. Meine Katze jagt irgendwo raschelnd einem letzten Knäul Geschenkpapier hinterher, die Küche schaut nach den Weihnachtsfeiertagen immer noch schwer nach Schlachtfeld aus und der welke Weihnachtbaum klammert sich verzweifelt an die letzten Nadeln, die die Katze noch nicht heruntergeschüttelt hat.

„Bis dahin ist ja Gott sei Dank noch Zeit“, entgegne ich möglichst locker und schaue verzweifelt auf mein Chaos. „Ja genau“, lacht sie. „Es ist ja nicht so, als wäre Sylvester schon am Mittwoch.“ Irritiert schaue ich auf den Kalender. Tatsächlich! War eben gerade nicht erst Weihnachten?

Und plötzlich fällt mir all das wieder ein, was ich bis zum Jahreswechsel eigentlich noch erledigen wollte. All die Pläne, all die Besorgungen, all die Aufgaben. Und: All die guten Vorsätze. Das Rauchen aufgeben. Abnehmen. Geld sparen. Und mal wieder habe ich nichts davon geschafft.

Ich lehne mich kurz zurück, sehe die Katze, die weiter das Geschenkpapier jagt und muss lachen. Eigentlich ist ja noch nichts verloren. Kein Vorsatz, keine Aufgabe, kein Plan. Die Zeit mag knapp sein – aber noch reicht sie, um Dinge anders zu machen – oder andere Dinge einfach zu lassen. Noch ist alles möglich. Ich grinse und nehme das Telefon wieder in die Hand. „Keine Panik“, sage ich. „Am Mittwoch ist Sylvester. In drei Tagen. In denen ist schon ganz anderes passiert.“