Weißt Du noch?
Einmal im Jahr gibt es kleines Fest in meiner Heimatstadt; genauer: In
dem Stadtteil, in dem ich bis zum Studium gelebt habe. Und jedes
Jahr zieht es mich wieder zu diesem Stadtteilfest. Ich treffe dort
Menschen, die mir am Herzen liegen. Schulfreunde und Kumpels aus
meiner Jugend. Manche leben noch immer dort, andere –sind –wie
ich- irgendwann weggezogen. Doch wenn wir auf dem Fest
zusammen sitzen, dann ist es als wäre keiner von uns je weg
gewesen.
Als ich noch ein Teenager war, haben meine Eltern immer zu mir
gesagt: Wir wünschen Dir, dass es in Deinem Leben irgendwann mal
Menschen gibt, zu denen Du „Weißt Du noch?“ sagen kannst. Damals
konnte ich damit nicht viel anfangen, aber heute verstehe ich genau,
was sie damit gemeint haben.
„Weißt Du noch?“ Genau das ist es, was diese Beziehung zwischen
mir und meiner alten Clique ausmacht. Diese gemeinsamen
Geschichten, weit weg von Karriere, Eigenheim und eigener Familie.
Egal, ob es die Story des einen ist, der nach einer Discotour vor seiner
Haustür geschlafen hat oder ob es der tragische Unfalltod eines
Freundes ist, nach dem wir alle gemeinsam in unserem Partykeller
geweint haben. Diese Erinnerungen verbinden uns miteinander.
In der Bibel heißt es: Eisen wird mit Eisen geschärft, und ein Mensch
bekommt seinen Schliff durch Umgang mit anderen. Heute bin ich
mir sicher, dass mich meine Jugendfreunde geschliffen haben und ich
an ihnen und diesen vielen gemeinsamen Erlebnissen gewachsen bin.
Bald ist es übrigens wieder soweit. Das besagte Stadtteilfest steht an.
Ich werde da sein und wenn das erste „Weißt Du noch?“ fällt, werde
ich lächeln und mich wieder richtig zuhause fühlen.