Warum eigentlich freuen?
„Das meinen Sie jetzt nicht ernst, oder?“ – Der Satz fiel letzte Woche im Konfirmandenunterricht. Wir sprachen über den kommenden Sonntag, der in der Kirche traditionell unter dem Motto „Freut euch!“ steht. Die Reaktion der Jugendlichen war eindeutig: „Warum sollen wir uns freuen? Es ist der totale Stress vor den Ferien. Klausuren, Arbeiten, Druck ohne Ende!“
Mein erster Reflex war: „Eure Probleme möchte ich haben!“ Ich dachte an meinen eigenen Terminkalender, an die Nachrichten, die Weltlage. Aber – sie haben ja recht. Die Leichtigkeit ist uns allen gerade ein bisschen abhandengekommen. Ein Krisenherd jagt den nächsten, die Preise steigen, und im Alltag scheint die Zündschnur bei vielen immer kürzer zu sein. Alle sind genervt. Wo soll da der Platz für Freude sein?
Vielleicht hilft ein Perspektivwechsel. Wenn die Bibel zur Freude auffordert, meint das kein oberflächliches „Grinsen“, das Probleme einfach wegdrückt. Es geht um eine tiefere Zuversicht. In der christlichen Tradition erinnert dieser Sonntag daran, dass Gott sein Volk einst aus der Hoffnungslosigkeit befreit hat. Dass es selbst nach den dunkelsten Stunden einen Neuanfang gibt.
Das klingt weit weg. Aber ich entdecke das gerade im Kleinen. In meinem Garten schiebt sich das Grün mit Kraft durch die Erde. Die Vögel singen, als gäbe es kein Morgen. Das Leben will wachsen, trotz allem. Das ist die eigentliche Osterbotschaft: Der Tod und die Angst haben nicht das letzte Wort. Gott hält fest an dieser Welt – und an uns.
Gott traut uns zu, dass wir an unserem Platz etwas bewegen können, egal wie klein der scheint. Freude ist hier kein Befehl, sondern ein Angebot: Du musst die Last der Welt nicht alleine tragen.
Das möchte ich meinen Konfirmanden mitgeben. Dass ihr Wert nicht an der nächsten Mathenote hängt und dass das Leben mehr ist als ein voller Terminkalender. Wir dürfen uns freuen, weil wir getragen sind.
Der Kabarettist Hanns Dieter Hüsch hat einmal wunderbar formuliert:
„Ich bin vergnügt, erlöst, befreit. Gott nahm in seine Hände meine Zeit, mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen, mein Triumphieren und Verzagen, das Elend und die Zärtlichkeit. Was macht, dass ich so fröhlich bin an vielen dunklen Tagen? Dass mich mein Gott das Lachen lehrt, wohl über alle Welt.“
Hier der Link zur ARD-Mediathek: https://www.ardmediathek.de/video/aus-christlicher-sicht/aus-christlicher-sicht-30-04-2026/sr/Y3JpZDovL3NyLW9ubGluZS5kZS9BQ1NfMTY3OTk1