Von Sehnsucht und Rücksicht
Die Pandemie hinterlässt deutlich ihre Spuren in unserem Leben – hier und weltweit. Sie ist zugleich eine immense Herausforderung: Sie verlangt uns viel ab, beschränkt massiv das bisher gewohnte Miteinander, fordert unser Wissen und Knowhow ein. Wie in anderen Krisen auch, befördert sie das Gute wie das Schlechte menschlichen Handelns ans Tageslicht – da gibt es z.B. welche, die sich skrupellos bereichern und andere, die ihren Mitmenschen mit kleinen Zeichen der Solidarität Hoffnung und Zuversicht schenken.
Die Beschränkungen während der Pandemie haben auch gezeigt, was im Leben wirklich wichtig ist. Die konkrete gesundheitliche Gefährdung durch ein Virus macht deutlich, wie kostbar jede Stunde unserer Lebenszeit ist. Und öffnet den Gesunden die Augen für das, was andere auch jenseits der Pandemie zu stemmen und zu bewältigen haben: mit Krankheit und Beeinträchtigungen zu leben.
Die nun anstehenden Lockerungen kommen dem großen Bedürfnis der meisten Menschen nach gelebter Nähe entgegen, nach sozialen Kontakten. Die Einschränkungen haben ja gezeigt, wie sehr sich viele nach unbeschwertem Genuss von Kultur, Geselligkeit, Sport, nach einer gewissen Leichtigkeit in ihrem Leben sehnen.
Vielleicht gelingt es nun, dass die durch Pandemie gemachten Erfahrungen und die gewonnenen guten Erkenntnisse nicht verpuffen, sondern in ein solidarisches und rücksichtsvolles Miteinander eingebracht werden. So sehe ich auch Ergebnisse der gestern vorgestellten Jugendstudie der TUI-Stiftung als Hoffnungszeichen. Die Studie hat in Deutschland und sechs weiteren europäischen Ländern nach der Befindlichkeit von jungen Menschen zwischen 16 und 26 Jahren in der Pandemie gefragt. Auch sie leiden mit großer Mehrheit unter den Einschränkungen ihrer sozialen Kontakte. Obwohl dieser Generation viel abverlangt wurde, sehen dennoch zwei Drittel in Deutschland optimistisch in ihre Zukunft. Auch halten sich 80 % an die Corona-Regeln, weil sie verstanden haben, dass man sich gemeinsam und solidarisch der Pandemie stellen muss.
Ich finde: Das ist ein sehr ermutigendes Ergebnis, das uns alle darin unterstützen kann, die eigenen Sehnsüchte und Bedürfnisse nicht um jeden Preis durchzusetzen, sondern mit Augenmaß und Rücksicht – zum Wohle eines verantwortlichen und solidarischen Miteinanders.
Sie können das Video zum Beitrag unter der folgenden Adresse anschauen:
https://www.sr-mediathek.de/index.php?seite=7&id=104014