Virtuelle Gewalt
Es ist ja egal, wann man die Nachrichten einschaltet: Fast immer ist da von Tod, Gewalt, Ausbeutung
und Unterdrückung die Rede. Das sind offenbar wesentliche Merkmale unserer Welt. Und als ob die
wirkliche Welt nicht schon grausam genug wäre, erfinden Computerspielproduzenten auch noch
virtuelle Welten, die mindestens genauso grausam sind.
Da können die Spieler zum Beispiel die Rolle von Terroristen oder von Antiterroreinheiten
übernehmen. Oder können als einsamer Kämpfer marodierend durch die Gegend laufen. Wer
gegnerische Spieler eliminiert, der erhält Punkte. Je mehr, desto besser.
„Spiel und Realität haben nichts miteinander zu tun!“ Das sagen Vertreter der
Computerspielindustrie immer wieder, wenn sie auf das hohe Gewaltpotenzial ihrer Produkte
angesprochen werden. Die Spiele würden vielmehr Werte vermitteln, die die Gemeinschaft stärken
und den Sportsgeist wecken. Ist der virtuelle Kampf auf Leben und Tod also so etwas wie ein
Trainingslager für Gerechtigkeit, Liebe und Frieden?
Um das klar zu stellen: Ich bin nicht für generelle Verbote von Computerspielen und ich verteufle
erst recht nicht alle diejenigen, die sie spielen erst recht verteufle ich nicht all diejenigen, die sie
spielen. Aber ich finde, dass die Gewalt im Spiel schon etwas mit der Realität zu tun hat. Und beides
ist absolut ungeeignet, wenn es darum geht, unsere Welt friedlicher zu machen.
Das Gefühl dafür, dass jedes Leben kostbar ist, dieses Gefühl darf nicht abstumpfen. Denn ohne
dieses Gefühl hätte die Menschheit keine Zukunft. Das 5. Gebot „Du sollst nicht töten“ gilt eben nicht
nur in der realen, sondern auch in der virtuellen Welt.