Unendliche Weiten
Ein Märchen aus dem Orient: Der Diener des Sultans sieht im Park den Tod und fürchtet, der will ihn holen. Der Sultan gibt ihm zur Flucht nach Basra sein schnellstes Pferd. Dann stellt er selbst den Tod zur Rede: Warum bedrohst du meinen Diener? Aber der Tod antwortet: Tu ich doch gar nicht. Den treffe ich doch erst morgen in Basra.
Ob der britische Physiker Stephen Hawking dieses Märchen kennt? Als Genie gibt er sich mit sowas wohl nicht ab. Aber auch er sieht den Tod. Hundert Jahre gibt Hawking der Menschheit noch. Dann muss sie zum Überleben weg von der Erde. Nun: Der Diener des Sultans, ein Pferd, die wenigen Kilometer nach Basra – das ist zu schaffen. Aber zehn Milliarden Menschen weg von der Erde und auf einen anderen Planeten? Selbst Science Fiction aus Hollywood schickt in “Kampfstern Galactica” nur weniger als ein Prozent der Menschheit auf die Suche nach einer neuen Heimat. Meint Stephen Hawking vielleicht genau das? Dass nur wenige Menschen von der Erde fliehen sollen?
Was in Hawkings Gedanken-Wolkenkratzern vorgeht, kann ich nicht mal im Entferntesten ahnen. Vielleicht sind ihm seine Mitmenschen aus dem Blickfeld geraten. Sonst hätte er besser keine Untergangsszenarien entworfen, sondern stattdessen Wege gezeigt, auf denen Gottes Schöpfung, die Welt mit allen Lebewesen, einer besseren Zukunft entgegen gehen kann. Man kann natürlich sagen: Das klappt sowieso nicht. Na wenn schon! Die Umsiedlung der Menschheit in die unendlichen Weiten des Weltraums auch nicht.
Kein Zweifel: Wenn es schon so kurz vor zwölf ist, werden wir in der knappen Zeit unsere Probleme wohl nicht lösen. Aber wer ernsthaft anfängt, dürfte doch wenigstens hoffen.