Trost-Platz
Die sprichwörtlich gewordenen Hiobsbotschaften haben ihren Ursprung in der Bibel. Das Buch Hiob erzählt von dem Mann Hiob, der unfassbares Leid ertragen muss: Seine Frau und Kinder sterben, er verliert Haus und Hof, wird krank. Als er in dieser verzweifelten Lage ist, heißt es im Buch Hiob: „Als aber die drei Freunde Hiobs all das Unglück hörten, das über ihn gekommen war, kamen sie, … um ihn zu beklagen und zu trösten.“(Hiob 2,11)
In all seinem Elend sind ihm doch seine Freunde geblieben. Sie kommen zu ihm, um ihn zu „beklagen und zu trösten“. Aber leider wird es dadurch für Hiob nicht leichter. Denn seine Freunde haben ihre eigenen Vorstellungen, warum Hiob überhaupt in diese Situation gekommen ist. Vorstellungen, die Hiob überhaupt nicht teilen kann.
An dieser Stelle komme ich ins Nachdenken: Es geht nicht darum, dass man unter Freunden nicht unterschiedlicher Meinung sein kann. Aber vielleicht hätte es Hiob und seinen Freunden gutgetan, wenn die Freunde mehr zugehört und weniger an ihrer vorgefassten Meinung festgehalten hätten. So manches Mal müssen Menschen über ihr Leid sprechen können und es hilft ihnen, wenn Freund oder Freundin zuhören und einfach da sind.
Dazu passt das Beispiel von einer Bank in einem afrikanischen Land, die eine Gruppe Frauen zu einem ganz besonderen Platz gemacht haben. Sie haben sich so aufgeteilt, dass immer eine Frau für eine bestimmte Zeit auf dieser Bank sitzt, um für andere Menschen da zu sein. Um ihnen zuzuhören, wenn sie über ihre Probleme, Sorgen oder auch Freuden sprechen möchten. Sie schenken so ein offenes Ohr und Herz für die Anliegen eines anderen Menschen – wie es ebenfalls sprichwörtlich heißt: Geteilte Freude ist doppelte Freude, geteiltes Leid ist halbes Leid.