Tik Tok und „six seven“
Als Lehrerin erlebe ich jeden Tag, wie Trends aus dem Internet plötzlich im Klassenzimmer auftauchen. Wie neulich: „Six, seven!“ – und alle Kids im Klassenzimmer grinsen.
Wer nicht auf TikTok unterwegs ist, versteht erstmal gar nichts. Für Jugendliche dagegen gehört es längst zum Alltag. Ein kurzer Clip, ein Sound, ein paar Sekunden und schon verbreitet sich etwas in Windeseile durch die ganze Schule.
Für viele Schülerinnen und Schüler ist TikTok nicht nur Unterhaltung. Es ist eine Art gemeinsamer Treffpunkt. Dort entstehen Insider-Witze, Trends, kleine Codes. Wer die Codes kennt, gehört dazu, wer sie nicht kennt, ist erstmal außen vor.
Als Lehrerin beobachte ich das mit Interesse, aber auch mit einer gewissen Sorge. Denn diese Trends kommen und gehen rasend schnell. Was heute alle feiern, ist nächste Woche schon wieder vergessen. Aufmerksamkeit wird zur Währung. Je lauter, je schneller, je verrückter, desto besser.
Dabei wünsche ich mir manchmal etwas mehr Langsamkeit. Mehr Raum für Gedanken, die länger als ein paar Sekunden dauern. Mit meinen Schülerinnen und Schülern spreche ich darüber. Was macht diese Plattform mit euch? Warum scrollt ihr immer weiter? Und was bleibt eigentlich hängen, wenn der Bildschirm wieder dunkel ist?
Das ist, meiner Meinung nach auch eine Aufgabe von Schule heute. Nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern Orientierung zu geben. Auch in einer Welt, in der ein einziger Code wie „Six seven“ genügt, um Millionen Menschen gleichzeitig zum Lachen zu bringen.