Snooze
Mein Wecker klingelt. Ich schaue aufs Handy: 6:30 Uhr. Viel zu früh. Also drücke ich auf Snooze. Nur noch fünf Minuten. Fünf Minuten später klingelt er wieder – und erstaunlicherweise bin ich jetzt genauso müde wie vorher. Also nochmal Snooze.
Eigentlich ist diese Taste genial. Sie löst mein Problem nicht. Sie gibt mir nur für ein paar Minuten das Gefühl, dass ich mich noch nicht darum kümmern muss. Und wenn ich ehrlich bin, benutze ich diese Snooze-Taste nicht nur morgens.
„Bei dem Freund müsste ich mich dringend mal wieder melden.“ – Mach ich später.
„Die eine Sache müsste ich endlich erledigen.“ – Morgen.
„Eigentlich brauche ich gerade dringend eine Pause.“ – Gerade keine Zeit.
Selbst bei Nachrichten funktioniert das hervorragend. Ich lese sie, denke: „Da antworte ich nachher in Ruhe drauf.“ Drei Tage später sehe ich sie wieder und denke: Mist.
Ich verschiebe ziemlich viel auf meinen inneren zweiten Wecker. Das Problem ist nur: Im Leben klingelt der nicht zuverlässig. Manche Gelegenheiten kommen nicht noch einmal. Menschen warten nicht ewig. Und mein eigener Körper schickt mir Warnsignale nicht, damit ich sie wegdrücke. Deshalb will ich nicht alles auf später verschieben. Wenn mir jemand wichtig ist, melde ich mich. Wenn etwas gesagt werden muss, sage ich es. Und wenn mein Akku leer ist, gönne ich mir eine Pause. Denn mein Handy gibt mir morgens noch fünf Minuten. Mein Leben hat keine Snooze-Taste.