Beiträge

Segen

In meiner Ausbildung zum Pfarrer , kam es zu einer lebhaften Diskussion über den Segen. Was ist das eigentlich: Segen? Und soll man am Ende des Gottesdienstes eine segnende Haltung einnehmen oder nicht? Die Arme hochheben, das Kreuzzeichen machen? Und obwohl ich an der gepflegten dogmatischen Diskussion immer schon meine Freude hatte, an dieser Stelle überraschte ich die Kollegen: „Was Segen ist? Die warme, weiche Hand meiner Mutter auf meinen Kopf, wenn ich schlafen sollte.“

Eine wunderschöne, warme Kindheitserinnerung: Mutter sang ein Lied, las mir was vor und dann durfte ich erfahren, was Segen ist.

Eben pure Liebe. Na klar, die Liebe Gottes lernen wir kennen in der Liebe unserer Mutter, unseres Vaters, unserer Mitmenschen. Und na klar, so ist es doch immer Gott, der segnet, wenn ein Mensch dem anderen in Liebe die Hand auflegt. Die Worte, die meine Mutter dazu oft sprach, sind mir auch tief ins Gedächtnis eingebrannt. Es war oft Luthers Abendsegen. Und noch heute, wenn ich ihn spreche, wie ich ihn bei ihr gelernt habe, muss ich oft schlucken vor dankbarer Erinnerung. Und auch wenn sie schon lange tot ist: da spüre ich, sie ist mir nahe.

Ja, mit dieser Erinnerung bin ich wirklich gesegnet. Darum segnen auch Sie. Legen sie einem in Liebe die Hand auf, Und wenn das nicht gefragt ist: Bene dicere: Gutes Sagen. Es ist wunderschön. Ein Segen für die Menschheit.