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Sankt Martin

Ich geh mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir.

Hunderte von Kindern werden das in den nächsten Tagen wieder singen. Auf den Umzügen
anlässlich von Sankt Martin. Mit ihren Laternen werden die Kinder die dunklen Straßen
erleuchten und mit ihrem Gesang erfüllen. Als Mutter habe ich einige dieser Umzüge
mitgemacht, solange meine Kinder noch in der Kita waren. Und ich habe sie geliebt. Vorne
weg immer Sankt Martin auf einem großen Pferd, den roten Mantel wallend über den
Schultern.

Als Pfarrerin waren für mich die Gottesdienste das Schönste. Die Kita-Kinder haben die
Geschichte von St. Martin gespielt. Manchmal sogar zweimal hintereinander, weil es ihnen
so gut gefallen hat.

Dort oben leuchten die Sterne, da unten leuchten wir.

In den letzten Jahren ging es allerdings immer weniger um Sankt Martin. Stattdessen um die
Frage, wie man die Veranstaltung möglichst wertneutral benennen kann, um Kinder nicht
religiös zu vereinnahmen. Zum Beispiel: Laternenfest, Sonne, Mond und Sterne-Umzug,
Fest der Lichter – Allesamt schöne Namen….die aber doch am eigentlichen Thema
vorbeigehen.

An Sankt Martin geht es um mehr als Laternen, Lichter und ein paar Lieder. Der heilige
Martin steht dafür, dass Menschen sich ändern können, dass Menschen selbst in bitterer
Kälte Wärme abgeben können. Und zwar nicht nur an die, die ihnen nahe stehen, oder es
sich erlauben können. Nein, sondern an die, die auf der Straße unterwegs und noch nicht
angekommen sind. Sankt Martin hat damit der Nächstenliebe ein Gesicht und einen Namen
gegeben. Er hat sein Licht für andere leuchten lassen.

Mein Licht ist aus, wir gehen nach Haus.

Klar, man kann auch ohne Sankt Martin mit Laternen und Liedern durch die Straßen ziehen.
Aber wenn dann die Laternen am Ende des Umzugs gelöscht werden und aus sind – dann
ist es wieder dunkel. Dann ist da kein Licht mehr, das weiterleuchtet in den Augen und
Herzen der Kinder. Ein Licht, das ihnen Orientierung schenken kann. Denn dieses Licht wird
durch die alte Geschichte entfacht und mittels der Laternen wachgehalten, jedes Jahr aufs
Neue – eben durch Sankt Martin.