Puzzle
1000 Teile – steht groß auf der Verpackung des Puzzles. Meine Familie puzzelt in den Ferien gerne. Alle Teile werden dann auf den großen Tisch geschüttet. Den Rahmen machen wir gemeinsam, und danach setzt sich dran, wer gerade Lust dazu hat. Auch dieses letzte Mal ist der Rahmen in großen Stücken bald geschafft. Bis – ja bis auf zwei Teile, die wir einfach nicht entdecken können.
Am Ende fehlen ganze 12 Teile! Echt jetzt? Ein neues Puzzle und 12 Teile fehlen?! Ich ärgere mich. Das geht ja wohl wirklich nicht!
Morgens beim Zeitungslesen liegt das Puzzle immer noch auf dem Tisch. Und ich schaue von den schlechten Nachrichten in der Zeitung auf das unvollendete Bild mit seinen 12 Lücken. Und ich denke: Es ist ein Bild für das Leben! Für die unvollständigen Stellen in meinem Leben, Momente, die ich nicht im Griff habe, in denen ich mich ausgeliefert fühle und die mir Angst machen.
Bei anderen fallen mir solche Fehler und Schwachstellen übrigens viel schneller auf als bei mir selbst.
Jedes Leben hat Lücken, Leerstellen, die sich nicht schließen, jedenfalls nicht von selbst.
Aber während ich so auf den Tisch schaue, verändert sich mein Blick. Denn obwohl die Teile fehlen, erkenne ich das Motiv. Ich sehe das ganze Bild.
Und genau das wünsche ich mir auch für mein Leben: Dass mich jemand anschaut und trotz all meiner Lücken und Fehler das ganze Bild in mir sieht.