Perfekt unperfekt
Zu meinem Geburtstag hat mir mein bester Freund ein Fotobuch geschenkt.
„Hier, das haben meine Freundin und ich für dich gemacht. Wir sind durch unsere Galerien gegangen und haben alle Fotos mit dir rausgesucht.“
Ich mag Fotobücher. Weil sie etwas sind, das man wirklich in der Hand hält. Auf meinem Handy habe ich über 10.000 Fotos – aber wie oft schaue ich die schon alle durch? Bei ausgedruckten Bildern ist das anders. Ich sehe sie und bin für einen Moment wieder genau dort. Ich blättere dieses Buch durch, und muss lachen.
„Das ist ja mal sowas von bescheuert. Es gibt kein einziges Foto, auf dem wir alle halbwegs normal aussehen!“
Dabei versuchen wir es jedes Mal: schönes Lächeln, offene Augen, alle schauen in die Kamera. Und trotzdem hat einer genau beim Auslösen die Augen zu. Eine schaut irgendwo an der Kamera vorbei. Jemand wollte noch schnell etwas sagen und hängt jetzt für alle Ewigkeit mit halb offenem Mund in diesem Foto. Eigentlich schon witzig: Für diesen einen Moment versuchen wir alle, perfekt auszusehen. Und bekommen es nie so richtig hin. Und genau die Bilder mag ich am liebsten. Die verwackelten. Die, auf denen einer gerade loslacht. Auf denen niemand mehr in die Kamera schaut. Auf denen wir längst vergessen haben, dass ein Foto gemacht wird. Ein gutes Foto muss gar nicht zeigen, wie perfekt ich aussehe. Es muss nur zeigen, wie dieser Moment wirklich war. Wo alles echt ist.
Genau das sind die schönsten Bilder.