Nichtstun
„Und? Was macht ihr so am Sonntag?“, fragt mich neulich ein Freund. „Nichts“, antworte ich, „wir
machen nichts!“
„Wie? Nichts?“ gibt er irritiert zurück. „Irgendwas muss man doch machen! Irgendwas macht man
doch immer!“
„Nee, wir machen einfach nichts. Also, zumindest nichts, was mit Arbeit, Ausflügen oder sonstigen
Unternehmungen zu tun hat!“
Nach einer kurzen Pause räumt der Freund dann ein: „„Eigentlich hast du recht, man kann ja auch
einfach mal nichts machen.“
„Man kann nicht nur, man muss sogar“, antworte ich ihm. „Denn der Mensch ist nicht dafür gemacht,
immer irgendwas zu machen!“
Allerdings: Viele Menschen haben meiner Erfahrung nach mit dem Nichtstun ein Problem. Wer
nichts tut, erlebt nichts. Wer nichts tut, hat nichts, wovon er erzählen kann. Dabei kann es so
befreiend und erfüllend sein – das Nichtstun. Darunter verstehe ich vor allem: das Lebenstempo
spürbar verlangsamen, den Zeitdruck abstellen. Nichts Produktives tun, sondern einfach nur da sein.
Das gelingt mir zum Beispiel dann am besten, wenn ich das Auto stehen lasse und mich auf den
Umkreis von Haus und Garten beschränke – und auf einmal vieles entdecke, wofür mir die ganze
Wochen lang Zeit gefehlt hat.
Die jüdisch-christliche Tradition hat dafür den Sabbat bzw. Sonntag. Ein fester Tag in der Woche als
Ventil, um den ganzen Druck entweichen zu lassen. Ein fester Tag in der Woche als
lebensnotwendige Atempause. Ich weiß, anderen fällt dann die Decke auf den Kopf. Viele haben
verlernt, Stille und Stillstand zu ertragen. Aber mir tut das einfach nur gut. Versuchen sie`s doch auch
mal! Heute am Sonntag.