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Milde Stärke

„Möchtest du deinen Kaffee stark oder schwach?, fragt mein Bekannter und
schaltet den Vollautomaten an. „Eher schwach, das vertrage ich besser!.
Er tippt auf seiner Maschine rum. Solange bis „Milde Stärke“ im Display steht.

Milde Stärke, das klingt irgendwie paradox. Entweder ist etwas doch mild oder stark,
denke ich, während die Maschine mit lautem Geräusch die Bohnen mahlt.
Und doch kommt mir die Kombination gerade im Advent vertraut vor. In all ihrer
Widersprüchlichkeit. Denn sie ist geradezu eine Zusammenfassung des
bevorstehenden Weihnachtsfestes.

Milde Stärke, so könnte das Motto von Weihnachten lauten. Bekannte Adventslieder
singen davon, verwenden diese und ähnliche Worte: „Hosianna, Davids Sohn, sei
gegrüßet, König mild!“ So beginnt die 3. Strophe von Tochter Zion. „Er ist gerecht,
ein Helfer wert, Sanftmütigkeit ist sein Gefährt, sein Königskron ist Heiligkeit, sein
Zepter ist Barmherzigkeit“ – so heißt es in Macht hoch die Tür.
Milde Stärke! So kommt Gott in die Welt. Das Milde ist gerade das Herausragende
an seiner Stärke. Im Althochdeutschen bedeutet mild soviel wie freundlich, freigiebig.
Nicht mit Gewalt und Zwang, sondern als Kind kommt Gott zu uns Menschen.

Ich trinke einen Schluck Kaffee und es kommt mir vor, als könnte ich Advent und
Weihnachten darin schmecken. In seiner milden Stärke.