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Mal miteinander reden

„Immer diese Moslems“, sagt eine Frau, mit der ich auf der Straße ein Schwätzchen halte – gerade läuft eine Dame mit Kopftuch in unsere Richtung. Mit Argusaugen schaut die Frau ihr entgegen. Die Muslimin sieht uns und kommt direkt auf uns zu. Meine Gesprächspartnerin erstarrt.

„Hallo, Frau Pfarrerin“, ruft die Muslimin und umarmt mich. Wir kennen uns. Ich stelle die beiden einander vor. Da stehen wir nun zu dritt, ich plaudere mit der Muslimin und wir verabreden uns für eine gemeinsame Veranstaltung.

Die Frau laden wir kurzerhand dazu ein und erklären ihr, dass wir uns hin und wieder zu sogenannten Begegnungsabenden treffen. Dient dem Kennenlernen und dem Austausch. Ich habe schon viele nette Leute dort getroffen. Mit zwei Koranlehrern verstehe ich mich bestens. Wir schätzen und mögen uns. Es sind immer schöne Abende. Den Löwenanteil der Arbeit übernehmen dabei immer unsere muslimischen Gastgeber.

Meine Kopftuch-Bekannte verabschiedet sich. Zurück bleiben jene Frau und ich. Sie ist sehr verdattert: „Dass die so gut deutsch kann! Und so höflich! Und so freundlich!“ Sie ist offensichtlich angetan.

Ich frage sie, warum sie dieses Kopftuch so stört. Sie winkt ab und erklärt: „Für mich ist das so ein Unterdrückungsding. Aber diese Frau eben hat so ganz und gar nicht unterdrückt gewirkt, eher im Gegenteil. Sie war jedenfalls viel freier als ich.“ Sie lacht und sagt: „Ich komme auf jeden Fall zu diesem Treffen. Und ich versuche, noch ein paar Leute mitzuschleppen.“ So was passiert auf der Straße. Integration umgekehrt!