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Lob und Segen

Wofür wurden Sie als Kind gelobt?

Wenn ich an meine Kindheit und Jugend denke, fallen mir als erstes die Noten in der Schule ein. Zeugnisnoten – klar, aber auch sonst die schulischen Leistungen übers Jahr: Tests, Arbeiten, Bewertungen der mündlichen Mitarbeit. Für gute und vor allem sehr gute Noten wurde ich gerne gelobt. Das Zeugnis hat sich im besten Fall auch ausgezahlt.

Als Mädchen – so würde ich aus der Rückschau sagen – wurde ich außer für gute Zensuren auch für regelkonformes Verhalten gelobt: lieb, freundlich, klug sein – das waren lobenswerte Eigenschaften.

Ich habe lange gebraucht, um im Erwachsenenalter konfliktfähig zu werden. Nein zu sagen zu Forderungen und Erwartungen, die andere an mich stellen. Ich hatte schnell Angst, nicht lieb genug zu sein. Oder nicht mehr geliebt zu werden.

Heute bin ich selber Mutter und weiß, wie schwierig Erziehung ist. Selbst beim Loben muss man aufpassen, weil man damit Weichen für die Zukunft eines Kindes stellt.

Vielleicht liebe ich genau deswegen einige biblischen Geschichten besonders. Es sind die, wo Gott seine Geschöpfe, seine Kinder, bei nicht regelkonformem Verhalten nicht lobt oder tadelt, sondern segnet.

Es sind Geschichten, in denen Männer und Frauen, nicht der Norm, nicht der Leistungsgesellschaft entsprechen oder über Grenzen hinausgehen. Und Gott segnet. Gibt Kraft. Ermutigt. Sagt: Du bist genau richtig. Du kannst das.

Gott stellt dabei die Weichen für eine selbstbestimmte und freie Zukunft. Gibt Wurzeln und Flügel. Und das brauchen junge Menschen mehr denn je.