Ich bin für ein paar Tage verreist und sitze in einer
deutschen Großstadt vor einem Café. Am Nachbartisch
zwei Frauen. Wir alle lassen unsere Blicke müßig über das
Gewimmel auf der Straße gleiten.
Am Nachbartisch sagt die eine: „Guck mal, schon wieder
so eine Verschleierte. Ich kann’s nicht mehr sehen!“
Die andere meint: „Die hat doch nur ein Kopftuch auf, das
war bei uns doch auch üblich. Denk‘ doch mal an die
Siebziger Jahre, da trugen alle Frauen Turban, war damals
todschick.“
„Das war doch was ganz Anderes“, erwidert ihre Freundin,
„das war halt die Mode.“
„Naja“, meint die andere, „ich glaube, dass viele Frauen
den Schleier aus purer Opposition tragen. Inzwischen
stehst du doch als Moslem unter Generalverdacht. Ich
könnte mir gut vorstellen, dass ich als Muslima denken
würde: Jetzt erst recht. Ich steh‘ zu meiner Kultur, zu
meiner Religion. Das lass ich mir nicht madig machen
durch so ein paar durchgeknallte Fanatiker.“
„Aber muss es denn dann gleich so eine Burka sein, wo
alles komplett verborgen ist, nur so ein Gitterchen vor den
Augen? Oder dieser Niqab mit nur einem Sehschlitz?“
fragt die erste. „Dagegen ist der Hidschab ja echt noch
harmlos, das geb‘ ich gerne zu.“
„Oho, du kennst dich ja ganz schön aus“, staunt die andere.
„Wie steht’s denn mit deinem Wissen um
Nonnengewänder? Die haben ja auch was auf dem Kopf.“
„Ph, keine Ahnung, interessiert mich doch nicht!“
Sagt die andere: „Also manchmal hab ich das Gefühl, dass
eher die Christen als die Moslems schuld sind am
Untergang des Abendlandes.“