Das alte Jahr ist fast zu Ende. Noch zwei Tage, dann beginnt das Jahr 2019. Für die meisten Menschen ist
der Jahreswechsel ein deutlicher Einschnitt. Viele nehmen sich ja für das neue Jahr gute Vorsätze vor. Ab
dem 1. Januar werde ich endlich abnehmen, mit dem Rauchen aufhören oder wieder regelmäßig Sport
treiben. Andere Menschen hoffen darauf, dass mit dem neuen Jahr wieder alles auf Null gestellt ist und
sie sozusagen von vorne anfangen können.
Zuviel erwarten von dem Wechsel von einem Jahr zum anderen sollte man allerdings nicht. Ja, es
beginnt etwas Neues und ich kann vielleicht ein bisschen was in meinem Leben ändern oder anders
machen. Aber letztlich werde ich ja nicht von der einen auf die andere Minute zu einem ganz anderen
Menschen. Das, was mich ausmacht, hat sich doch über Jahre hinweg so entwickelt. Und ich stehe auch
am 1. Januar 2019 noch in bestimmten Beziehungen. Mein Leben ist also nicht komplett umgekrempelt.
Dafür spricht, was Jahr für Jahr spätestens Mitte Februar passiert. Wenn die guten Vorsätze mühsam
werden und sich alte Verhaltensmuster wieder durchsetzen. Die Fitnessstudios werden wieder leerer
und so mancher Raucher hat sein großes Ziel auf dem Weg zum Tabakladen vergessen.
Doch warum nehmen wir uns überhaupt immer solche Vorsätze vor, wenn wir doch eigentliche wissen,
dass sie meistens ins Leere verlaufen? Ich glaube, das hat damit zu tun, dass wir stets besser werden
wollen. Was wir sind ist uns meistens nicht gut genug. Wir wollen schlanker und gesünder sein, immer
das Optimale rausholen.
Grundsätzlich ist es ja auch nicht verkehrt, sich verbessern zu wollen und auf sich zu achten. Trotzdem
denke ich, dass wir manche unserer Ziele noch einmal überdenken sollten. Ich finde es wichtig, dass wir
uns nicht mit unseren Vorsätzen überfordern. Dann nur dann besteht auch die Chance, dass wir
durchhalten. Und ob der Jahresbeginn der beste Zeitpunkt dafür ist, etwas zu verändern? Ich bin mir da
nicht so sicher. Denn letztlich stehe ich dann gleich zu Jahresbeginn unter Druck. Wenn ich dann auch
noch scheitere, habe ich direkt zum Start ins Jahr ein schlechtes Gewissen geplagt.
Der deutsche Publizist Peter Schuhmacher hat mal gesagt: „Gute Vorsätze sind wie Schuhe, in denen
man nicht gehen kann.“ Ich finde, da steckt viel Wahrheit drin. Viel zu oft versuchen wir durch unsere
guten Vorsätze, jemand anderen aus uns zu machen. Die Schuhe, die wir uns aussuchen, sind oft zu
groß. Ständig rutschen wir beim Gehen aus ihnen heraus und greifen dann doch lieber wieder zu einem
alten bequemen Paar, das ich schon gut eingelaufen habe. Die Kunst ist, ein Paar Schuhe zu finden, die
anders sind als meine Alten, aber nicht weniger bequem.
Ich wünsche uns allen, dass wir unbeschwert in das neue Jahr starten. Ohne Vorsätze, die uns
überfordern. Mit Schuhen, die uns passen. Nicht alle unserer Eigenarten und Eigenschaften sind
prinzipiell verbesserungswürdig. Und wir selbst sind es auch nicht. Wir sind nicht in erster Linie Wesen,
die mit Defiziten und Mängeln ausgestattet sind, sondern Gottes geliebte Geschöpfe. Statt einesVorsatzes habe ich mir deshalb einen Leitspruch für das kommende Jahr ausgesucht. Er steht im Psalm
139 und lautet: „Ich danke dir, HERR, dass ich wunderbar gemacht bin.“