Geduldige Tierchen
Auf meinem Balkon brüten seit kurzem Rotschwänzchen. Grade erst sind sie aus Afrika aus ihrem Winterquartier zurückgekehrt. Nun haben sie schon wieder einen anstrengenden Job: brüten, kurz zum Futter-Suchen auf die Wiese, wieder ins Nest, brüten und so weiter. Und der Stress hat noch kein Ende. Im Gegenteil: wenn die Kleinen geschlüpft sind, geht’s erst richtig los! Ohne Pause hungrige Mäuler stopfen, wenig Zeit für sich selber haben, ganz viel Geduld haben. Ich gucke den kleinen Vögeln fasziniert zu: Wo sie nur die ganze Energie hernehmen! Und sich ohne Schimpfen um ihren Nachwuchs kümmern (jedenfalls nehme ich das an)!
Das bringt mich zum Nachdenken: Wie gehe ich eigentlich mit Stress und Hektik um? Ich merke oft, wie schnell ich ungeduldig werde, anfange zu nörgeln, wenn die Dinge nicht sofort so laufen, wie ich es mir vorgestellt habe. Eigentlich wäre Gelassenheit angebracht, aber stattdessen kommt mir die Frage: Warum verstehen die anderen nicht, dass mein Weg der beste ist?
Und schon knallt es. Ein Streit ist da, den eigentlich niemand wollte. Sind wirklich immer die anderen schuld? Oder liegt es an meiner eigenen Anspannung? Wer es schafft, in solchen Momenten einen Schritt zurückzutreten, kann die Situation oft herunterkochen, bevor sie eskaliert.
Erstaunlich, auf welche Gedanken mich diese kleinen Vögel bringen! Ich hoffe und wünsche ihnen, dass sie ihre Brut durchbringen. Ich freue mich auf die kleinen Rotschwänzchen, die im Juni auf meinem Rasen herumhüpfen werden. Und mir selbst wünsche ich etwas von ihrer unerschütterlichen Ausdauer für die nächsten hektischen Momente.