Ein Pfarrer als Mörder
Ein Pfarrer als Mörder? Als treibende Kraft in einer Verschwörung? Ungewöhnlich, weil: es gibt ja die 10 Gebote. Und da steht: du sollst nicht töten. Wenn Pfarrer sich schon nicht mehr dran halten…
Immerhin hat er es sich nicht einfach gemacht, unser Pfarrer. Hat natürlich gewusst, dass er gegen Gottes Gebot verstößt. Ist groß geworden mit dem Spruch: jede Obrigkeit ist von Gott eingesetzt. Auch das steht in der Bibel. Und trotzdem: ein Mordanschlag, und dann auch noch auf das Staatsoberhaupt. Ein letzter Ausweg sollte es sein, vielen Menschen das Leben retten und die Welt vor Schrecklichem bewahren. Nach langem Nachdenken hat er eine Gewissensentscheidung getroffen und mitgemacht, beim Attentat auf Adolf Hitler. Als es schließlich dazu gekommen ist, saß er bereits in Gestapo-Haft. Schrieb Briefe nach draußen, fieberte mit, ob es am Ende doch gelingen könnte, Hitler zu töten. Nur so, das war ihm und den Mitverschwörern klar, kann der Weltkrieg beendet werden.
Dietrich Bonhoeffer, so der Name des Verschwörers, erlebt schließlich, wie das Attentat scheitert und unzählige Mitverschwörer hingerichtet werden. Weiß natürlich, dass damit auch sein Schicksal besiegelt ist. Weiß um seinen nahen Tod und darum, dass er nicht anders konnte, als sich den Attentätern anzuschließen. Hat für sich die Gewissensentscheidung getroffen. In der Hoffnung, unzählige Menschenleben zu retten. Hat Schuld auf sich genommen, wenn auch nach langem Überlegen. Aber immer im Bewusstsein, dass er sich damit versündigt. Und dass Gott eine Welt ohne Mord und Totschlag will.