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Du bist schuld!

„Du bist schuld!“ – „Nein, ich war das nicht!“ – „Doch, du warst es!“ – „Nein, du bist schuld!“
Szenen aus dem Kindergarten. Der Teller liegt zerbrochen am Boden und keiner will es gewesen sein.
Paul sagt Lena hat ihn fallen lassen, Lena sagt Paul hat sie geschubst. Wenn jetzt keiner der Erzieher
eingreift, wird die Frage nach der Schuld für Paul und Lena in einem großen Streit enden.

Niemand ist gerne an etwas schuld. Gerne haben wir eine weiße Weste an und schieben anderen den
schwarzen Peter zu. Das kann man Tag für Tag in den Nachrichten verfolgen. In der Politik sind immer
die Parteien für Probleme verantwortlich, deren Vertreter gerade nicht interviewt werden. In der
Industrie sagen die Arbeiter, dass die Chefetage die schlechte Lage herbeigeführt hat. Die Chefetage
beschwert sich über die mangelnde Arbeitsmoral der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Es ist auch ein bisschen wie im Kindergarten. Jeder schiebt es dem andern zu.

Ich glaube, dass das eine ganz natürliche Reaktion des Menschen ist. Wenn ich nämlich zugebe, dass ich
Schuld bin, mache ich mich angreifbar und bin nicht mehr perfekt. Deshalb sage ich lieber: Ich war es
nicht und mache einen anderen dafür verantwortlich.
Vor Gott haben Schuldzuweisungen und das Versteckspiel keinen Sinn. Er kennt uns ganz genau und
weiß um all unsere Fehler. Und er vergibt uns, immer wieder aufs Neue. Er weiß nämlich, dass wir nicht
perfekt sind. Ich finde deshalb: Wir sollten versuchen, offener mit Fehlern umzugehen, indem wir uns
die eigene Schuld eingestehen und uns selbst und anderen vergeben. So wie es im Vater Unser heißt:
„Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“