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Die Wahrheit wird euch frei machen

Wann genau der Genuss zur Sucht geworden war wusste er nicht. Aber eines Tages stand es für ihn persönlich fest: Nicht er hatte den Alkohol im Griff, sondern der Alkohol ihn. Aber das durfte natürlich keiner wissen! Tonnen von Pfefferminz wurden gelutscht, für glasige Augen und verkaterte Stimme am Morgen eine Ausrede schon vorher zurecht gelegt: Erkältet, schlecht geschlafen wegen Lärm vor der Tür… Im Verstecken und verbergen war er bald Profi.

Aber es gab einen, der wusste Bescheid: Er selber. Und sich selbst in die Tasche zu lügen wurde immer schwerer. Und er litt unendlich. Und dann eines Tages platze es aus ihm heraus: „Ich bin dem Alkohol gegenüber machtlos.“

 

Und siehe da: Es gab keine Katastrophe. Sein Arzt sagte: Das ist eine Krankheit, und dafür bin ich da: Kranken zu helfen. Und danach ging er zu seiner Frau und sagte es ihr. Und siehe da: Sie hatte nur auf diesen Moment gewartet, um sagen zu können: Ja, ich weiß, und jetzt helfe ich dir. Und so ging es weiter. Er ging zu den Anonymen Alkoholikern, und da saßen gestandene Männer und Frauen und stellten sich vor mit den Worten: „Ich heiße Heinz, bin Alkoholiker und heute trocken“.

Und auch er sagte diese Worte. Und plötzlich merkte er: Der Druck war weg. Er war frei, er war wie neu geboren. Der Alkohol hatte ihn mit der Lüge und dem Vertuschen im Dunkeln gehalten. Sobald er ans Licht trat, hatte er seine Macht verloren.

„Die Wahrheit wird euch frei machen!“ Evangelium nach Johannes, Kapitel 8, Vers 32