Die Geschichte meines Selbstmords
„Die Geschichte meines Selbstmords“, so heißt ein Buch, das ich gerade gelesen habe. Der Autor Viktor Staudt schildert darin, warum er sich vor einen Intercity geworfen hat. Er hat überlebt, aber beide Beine verloren. Viktor Staudt traut sich, von vielen Einzelheiten zu erzählen. Seinen Depressionen vor dem Sprung, die oft mit Angstattaken gepaart waren. Seiner Verzweiflung am Leben, das er nur noch beenden wollte.
Nach dem Sprung, ohne Beine, wurde die Verzweiflung noch größer und der Wunsch, zu sterben noch stärker. Und er hat sich einem Mann anvertraut, der ihm Giftkapseln besorgen wollte. Ein Junkie, der durch seine Kontakte zur Drogenszene an solche Pillen kommen konnte und der damit seine eigene Sucht finanzieren wollte.
Das Treffen mit diesem Mann ist dann aber ganz anders verlaufen, als erwartet. Der Junkie wollte nicht einfach einen Deal machen, er wollte sich mit Viktor Staudt unterhalten. Er wollte ihn kennen lernen. Und am Ende hat er gesagt: „Nein, Viktor, dir besorg ich das nicht. Ich spüre deutlich, dass Du es schaffen wirst.“
Der Schock bei Viktor Staudt war erst groß, doch im Nachhinein sagt er: „Von diesem Tag an wurde es besser“.
Ich muss sagen, von diesem Junkie bin ich tief beeindruckt. Er hat unter einem hohen Druck gestanden, die Sucht ist fürchterlich, er brauchte dringend Geld. Und doch hat er genau abgewogen ob das, was er tut, richtig ist. Ich denke, davon können wir uns alle eine Scheibe abschneiden.
Heute klärt Viktor Staudt auf. Über die Krankheit Depression, und dass es Hilfe gibt. Er lebt gerne und sieht einen großen Sinn in seinem Leben. Unter anderem verdankt er das dem Junkie.