Die fehlenden 10%
Eigentlich sind es ja nur zehn Prozent, die fehlen. Aber die haben es in sich. Denn ihretwegen ist es so schwer, richtig glücklich zu sein. Der Beruf ist gut, aber nicht der Traumberuf. Das Gehalt ist üppig, aber es könnte noch ein bisschen besser sein. Der Partner ist toll, aber nicht perfekt. Und ich selbst – tja, wenn ich nur ein bisschen größer, schlanker, hübscher wäre, ja dann, dann wäre alles tiptop!
Der argentinische Psychologe Jorge Bucay nennt dieses Phänomen das „Was –wäre- ich- glücklich- mit- dem,- was -ich –nicht- habe“- Problem. Und das ist im Grunde unlösbar. Denn ich habe nun mal nicht den anderen Beruf, das höhere Gehalt, den noch besseren Partner. Das-was-ich-nicht-habe ist eben Das-was-ich-nicht-habe. Oder anders gesagt: Wenn ich es schaffen würde, dieses oder jenes doch zu bekommen, also den besseren Job, das höhere Gehalt, den neuen Partner – dann werde ich auch nicht wirklich glücklich sein. Denn das bin ich nur mit dem, was ich eben nicht habe.
Nichts und niemand auf dieser Welt ist vollkommen. Und deshalb kann es die imaginären 100 Prozent auch nicht geben. Solange ich denen hinterher laufe, werde ich nie zufrieden und glücklich sein. Gott hat die Welt wunderbar geschaffen, aber eben nicht perfekt. Allerdings war das für Gott offenbar kein Problem. Denn als er am siebten Tag mit der Schöpfung fertig war und sich sein Werk angeschaut hat, da lautete sein Urteil: Gut gemacht.
Vielleicht sollten wir nicht so streng mit uns und den anderen sein, sondern viel gelassener mit allem umgehen. Wenn wirklich nur zehn Prozent fehlen – dann heißt das ja, dass 90 schon da sind. Und das ist doch eine ganze Menge!