Bayern-Trikots in der Kirche
Also, das hatte ich bisher auch noch nicht erlebt. Da sitze ich in der Kirche bei uns im Dorf und plötzlich geht Frank Ribery an mir vorbei. Sie wissen schon: Der Fußball-Profi vom FC Bayern.
Okay, es ist natürlich nicht der echte Frank Ribery. Es ist ein Junge, der ein Bayern-Trikot mit dem Namen des Franzosen anhat. Aber auch das ist ja selten genug in einer Kirche.
Mit der Zeit kommen immer mehr Menschen in Bayern-Trikots herein. Männer, Frauen, Jugendliche und Kinder. Viele von ihnen kenne ich, weil sie aus unserem Dorf sind. Und bei einigen bin ich mir absolut sicher: Das sind eigentlich absolute Fans vom FCK, vom FC Kaiserslautern. Und trotzdem tragen sie heute ein Trikot von den Bayern.
Ich weiß, viele Fußballfans werden jetzt sagen: „Das geht ja gar nicht! Man kann doch kein Trikot eines anderen Vereins anziehen und schon gar nicht von den Bayern!“ Ich bin sicher, die FCK-Fans in der Kirche denken eigentlich ganz ähnlich. Aber trotzdem machen sie an diesem Tag eine Ausnahme. Sie haben sich Bayern-Trikots gekauft bzw. geliehen und sie angezogen. Denn heute ist alles anders. Heute sind sie im Trauer-Gottesdienst für ihren Freund. 13 Jahre alt ist der nur geworden und sein absoluter Lieblingsverein war: Der FC Bayern!
Den FCK-Fans in der Kirche geht es heute nicht darum, zu ihrem Verein zu stehen, sondern zu ihrem Freund und seinen Eltern. Ihnen zu zeigen: Ihr seid in dieser schweren Zeit nicht allein. Wir stehen hinter Euch! Wie die volle Westkurve auf dem Betzenberg. Auch in Bayern-Trikots.
Ich – als großer Fußball-, aber Nicht-Bayern-Fan – finde das fantastisch. Denn es zeigt: Es gibt viel Wichtigeres als Fußball. Zum Beispiel Freundschaft und Liebe – denn die reichen bis über den Tod hinaus.