Ausgeschlafen und hellwach
Den heutigen Gedenktag finde ich überaus sympathisch: Der 21. Juni ist der Tag des
Schlafes. Zum mittlerweile 19. Mal soll damit auf die Bedeutung des Schlafes
hingewiesen werden. Die kannte man allerdings auch schon vor über 2000 Jahren.
In der Bibel steht: „Der Herr gibt`s den Seinen im Schlaf“ (Psalm 121, 2).
Das klingt beruhigend – nimmt Stress und Druck raus, entschleunigt wohltuend. So
ganz nach dem Motto: Erst einmal eine Nacht darüber schlafen.
Denn nur wenn ich ausgeschlafen bin, kann ich auch konzentriert und hellwach
durch den Tag gehen. Und genau das ist zurzeit auch bitter nötig.
Denn wach und aufmerksam gilt es mitzubekommen, was da so in der letzten Zeit
geschieht. So hat eine aktuelle Studie über unser gesellschaftliches Miteinander
gezeigt, wie gespalten unsere Gesellschaft schon längst ist. Das gilt auch für unser
kleines und überschaubares Bundesland und unsere Landeshauptstadt. Wie in
anderen Städten, so wohnen auch in Saarbrücken Arme und Reiche schon längst in
getrennten Stadtvierteln. Ganz besonders betroffen macht, wie viele Kinder von
Armut betroffen sind. Die Studie macht auch deutlich, dass Kinder aus ärmeren und
Kinder aus wohlhabenderen Familien jeweils unter sich bleiben. Denn sie gehen zum
Beispiel in ihrem jeweiligen Einzugsgebiet zur Grundschule. Auch das zeigt: Von
einer guten sozialen Durchmischung der Wohngebiete und einem weitsichtigen
Sozial-Wohnungsbau kann keine Rede sein.
„Der Herr gibt’s den Seinen im Schlaf.“ Im Satz davor heißt es sinngemäß, dass wir
Menschen uns umsonst abmüht, wenn Gott nicht selbst die Stadt mitbaut. Für mich
ist das ein wichtiges Korrektiv.
Wir alle müssen gemeinsam darauf achten, dass unsere Gesellschaft nicht noch
weiter auseinanderdriftet. Eine Stadt ist ja nicht die Anhäufung von Steinen, von
teurem und billigem Wohnraum. Eine Stadt ist ein Lebensraum, in dem Menschen
sich als Menschen begegnen. Und zwar auf Augenhöhe. Ganz im Sinne der gelebten
Nächstenliebe ihr Miteinander gestalten, der Mitmenschlichkeit wieder Raum geben.
Hellwach und ausgeschlafen. Nicht nur heute, am Tag des Schlafes.