Angeln
Mein Opa geht gerne Angeln. Er hat ein kleines Grundstück, drüben über der Grenze in Frankreich an einem kleinen Weiher, und verbringt dort gerne mal seine Wochenenden. „Das bringt mich zur Ruhe“, sagt er immer.
Ich bin einmal mit ihm mitgekommen. Er ist voll ausgestattet: Netze, Ruten, Haken, sogar ein eigenes Alarmgerät, das anschlägt, sollte ein Fisch anbeißen. Wir warfen ein paar Ruten aus, und dann … warteten wir. Und warteten. Und es passierte … nichts.
Ich meinte zu meinem Opa, dass wir vielleicht noch mal neu auswerfen müssten, dass die Fische gerade keinen Hunger haben, dass wir es vielleicht später noch einmal versuchen sollten. Aber Opa meinte nur: „Gedulde dich. Mit der Zeit werden schon einige anbeißen.“
Und da lernte ich die wahre Kunst hinter dem Geschehen: Es geht nicht darum, wie gut, wie toll oder wie schnell man etwas kann. Es geht darum, wie lange man einem Ziel hinterherfolgt. Natürlich kann man beim ersten Zucken an der Schnur aufspringen und glauben, jetzt sei der Fisch dran – aber nur wer wartet, ruhig bleibt und nicht gleich zieht, holt am Ende wirklich etwas aus dem Wasser.
Mein Opa ist manchmal eine ganze Woche weg. Er ist allein, genießt die Ruhe, die frische Luft. Und gerade wenn meine Oma anfängt, sich Sorgen zu machen, kommt er mit einem Netz voller dicker, frischer Fische nach Hause.