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Ab morgen nehm ich die Hände aus dem Schoß

„Morgen, morgen fang ich an – der erste Tag vom Rest des Lebens ist erst morgen dran!“

Das ist eine Textzeile der Band Schulze. Weiter geht´s mit: „Morgen leg ich los – ab morgen nehm’ ich konsequent die Hände aus dem Schoß.“

Das ist Musik in meinen Ohren. Denn dieses Lied zeigt, dass ich nicht alleine bin mit meiner Aufschieberitis. Heute passt es eben gerade nicht. Der Terminkalender ist voll und ich k.o. Für heute ist der Zug eh schon abgefahren. Aber morgen! Da bin ich mein „ideales Ich“, das alles im Griff hat.

Schön wär´s. Ich tappe nämlich immer wieder in dieselbe Falle. Ich nehme mir zu viel vor. Ich will mich gesünder ernähren, den Papierberg auf dem Schreibtisch zeitig abarbeiten, mehr lesen… Aber schon am Frühstückstisch fühle ich mich überfordert von meinen Erwartungen und am Ende ändere ich: gar nichts. Dieses „Morgen“ wirkt daher wie eine Beruhigungspille. Neuer Tag, neues Glück. Aber was ist morgen eigentlich anders als heute? Was ist heute anders als gestern?

Gut, die närrischen Tage sind nun vorbei, die Fastenzeit hat begonnen. 40 Tage liegen vor mir. Das klingt lang, wenn ich nur an Verzicht denke. Aber im Grunde ist das gerade lang genug, damit sich etwas verändern kann. Damit ich mich verändern kann.

In dieser Fastenzeit habe ich mir vorgenommen, die Ausrede nicht gelten zu lassen, dass der Zug für heute schon abgefahren ist. Wenn sich dieser Gedanke aufdrängt, halte ich bewusst inne. Und mache etwas anders als sonst. Auch wenn das bedeutet, dass ich vielleicht einfach nur bewusst drei tiefe Atemzüge nehme.

Ich lege einfach mal los. Auch auf die Gefahr hin, dass es mal nicht klappt. Denn immerhin ist der Wille zur Veränderung doch da. „Inspiriert“ bin ich also – ich bin noch nicht von allen guten Geistern verlassen.

Und das ist der Grund, warum ich die Hände aus dem Schoß nehmen will. Ich will dieser Inspiration mehr Raum geben. Damit Platz entsteht für das, was mich wirklich „motiviert“ – was mich also auch in Bewegung versetzt.

Denn es gibt viel zu tun – und noch mehr zu lassen. Vielleicht Morgen. Vielleicht aber eben doch schon heute. Die Band Schulze hat recht, wenn sie singt: „Käme ich vielleicht schon morgen früh ums Leben… wär’s schade, hätt’s das Heute nicht gegeben.“