Von Mauern
In diesen Tagen erinnern wir uns daran, dass vor 60 Jahren, am 13. August 1961, der Mauerbau in Berlin begann. Die Mauer, die Menschen nicht nur in Berlin, sondern in beiden deutschen Staaten sichtbar und einschneidend voneinander trennte. Die Berliner Mauer, an der 140 Menschen ums Leben kamen, als sie in den Westen fliehen wollten. Die Mauer, die von vielen als schmerzlichstes Zeichen für das sog. Un-Verhältnis der beiden deutschen Staaten gesehen wurde, als Teil des Eisernen Vorhangs zwischen Ost und West.
Es gab aber auch Zeichen der Hoffnung. Die Friedensbewegung in der DDR war ein solches. Und zu einem weiteren starken Zeichen der Hoffnung wurden schließlich die friedlichen Proteste, die von den Friedensgebeten und schließlich von den Montagsgebeten der evangelischen Nikolai-Kirche in Leipzig ausgingen, deren erstes im Dezember 1982 stattfand. Zunächst kamen nur wenige Menschen zusammen, aber im Laufe der Jahre füllten sich die Bänke der Nikolaikirche immer mehr. Aus der Kirche gingen die Menschen mit ihren Kerzen auf die Straße, um für ihr Recht auf Freiheit zu kämpfen. Jahr für Jahr, bis schließlich ab September 1989 zig Tausende, nicht nur in Leipzig, friedlich demonstrierten. Dazu kam das internationale politische Handeln, sodass es am 9. November 1989 zum Fall der Berliner Mauer kam.
Es waren Menschen, die die Hoffnung nicht aufgaben. Darunter waren etliche, die sich an ihrem Glauben festhielten und der biblischen Zusage vertrauten: „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen“ (Psalm 18, 30)
Diese Zuversicht brauchen wir, damit wir am besten gar keine Mauern mehr bauen: Mauern, die Flüchtlinge abschotten sollen oder auch die Mauer, die in Afghanistan aus Steinen der Enttäuschung errichtet wird. Deshalb ermutigen und verpflichten uns die Erfahrungen des Mauerfalls, die Ortskräfte in Afghanistan vor Folter und Tod nach Deutschland in Sicherheit zu bringen. Jetzt. Denn „mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.“
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