Fake-Foto
In Zeiten von Fake-News ist es keine gute Nachricht. Es gibt jetzt eine neue App, die das Fotografieren revolutioniert. Wir werden dann zwar noch schärfere Photos mit dem Handy machen können. Denn viele unscharfe Bilder werden mittels künstlicher Intelligenz zu einem brillianten Bild zusammengesetzt. Aber das Ganze hat einen Haken: Das Bild entspricht nicht mehr der Realität. In Details weicht es ab, einfach, weil die Software das so berechnet. Dazu kann das Programm noch viel mehr. Es kann ein Bild in eine andere Tageszeit, andere Lichtverhältnisse, andere Jahreszeiten umrechnen. Virtuelle Realität, aber nicht mehr das Photo von gestern. Verändern wird sich damit unser Bild von der Wirklichkeit. Alles wird veränderlich, unsicher, relativ. In Zeiten von Fake News und Verschwörungstheorien weiß man ohnehin kaum noch, was glaubwürdig ist.
Von wegen: Ich glaube nur das, was ich sehe. Damit wird es vorbei sein. Vermutlich werden zukünftige Generationen ratlos vor der Frage stehen, was sie noch für wahr halten dürfen. Auf jeden Fall erschüttert die neue App unser herkömmliches Wahrheitsverständnis. Alles wird komplexer und unwägbarer. Das Christentum kann ein Lied davon singen – wenn Denkwelten sich verändern. Wenn das Denken von früher durch ein modernes ersetzt wird. Da muss über Wahrheit neu nachgedacht werden. Wahrheit im Sinne von richtig und falsch, aber auch mit Blick auf den Sinn des Lebens. Und da stellen die digitalen Wahrheiten eine gewaltige Herausforderung dar. Wahrheit wird relativ, beweglich. Heilige Texte wie die Bibel haben das früher auch schon mal erlebt. Als alte Geschichten in einer neuen Sprache gesagt werden mussten – um in neuen Denkwelten verständlich zu bleiben. Alte Wahrheiten in den Herausforderungen moderner Zeiten. Bei der Bibel war es damals ein Schritt in eine neue Wahrheitswelt. Vielleicht ist es mit den modernen Photos ja auch so.