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Den Mittelweg finden

In der Fabel von der Ameise und Heuschrecke erzählt der griechische Dichter Äsop von einer gegensätzlichen Lebenseinstellung. Während sich die Heuschrecke den ganzen Sommer über amüsiert und am Leben erfreut, müht sich die Ameise auf dem Feld ab, um einen Getreidevorrat für den Winter anzulegen. Mit dem Anbruch des Winters droht die Heuschrecke zu verhungern und bittet die Ameise um Hilfe. Die Moral von der Geschichte lautet, wer rechtzeitig versorgt, profitiert in der Not.

Permanent zu arbeiten oder nur in den Tag zu leben, das klingt für mich nach zwei extremen Seiten einer Medaille. Ich glaube, der Mittelweg ist der Beste. In manchen Momenten heißt es Gas geben und in anderen genussvoll die Langsamkeit entdecken. Keiner weiß, was der morgige Tag bringt, auch ich nicht. Deshalb ist beides wichtig: Arbeiten und in den Tag leben. Gemütlich eine heiße Tasse Tee auf dem Balkon trinken und ein Projekt fristgerecht fertigstellen, Freunde treffen und der Nichte der besten Freundin bei den Hausaufgaben helfen – das alles sind alltägliche Dinge, die sich ergänzen.

Weil kein Mensch den göttlichen Plan kennt, rät auch der Prediger Salomo zum Mittelweg und sagt: Am Tag des Glücks sei guter Dinge, und am Tag des Unglücks bedenke: Auch diesen wie jenen hat Gott gemacht, und was künftig sein wird, kann der Mensch nicht wissen (Pred 7,14 ZÜR).