25. Todestag Michael Endes
Das hier (zeigt das Buch) ist das Buch meiner Kindheit. Nach einigem Suchen habe ich es ganz tief im Bücherregal gefunden. „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende. Wie hat es mich gefangen genommen, dieses Buch, damals – schon allein mit seiner Schrift – den Verzierungen am Rand. Und dann Bastian, der Junge, der versteckt auf dem Speicher der Schule das geklaute Buch liest. Die kindliche Kaiserin, die an einer unbekannten Krankheit leidet – Andrju, der junge Held und natürlich Fuchur, der Glücksdrache – und das Nichts. Das bedrohende, sich immer weiter ausbreitende Nichts, das einfach alles mit sich reißt und das Land Phantasien und seine Bewohner zerstört. Dunkel und beklemmend.
An dieses Nichts musste ich in der letzten Zeit öfter denken, an diese zerstörerische Kraft, die Phantasien immer kleiner werden läßt, Angst und Schrecken verbreitet, Gewohntes einfach auflöst.
Morgen vor 25 Jahren ist Michael Ende gestorben. Und das heißt: Er hat sicherlich nicht an Corona gedacht, als er über das sich ausbreitende Nichts geschrieben hat. Und doch erinnert es mich genau daran, und auch sein Buch behandelt die Bewältigung einer lebensbedrohenden Krise.
Nach einer Interpretation seines Werkes gefragt, wird er zitiert, dass es darin um den Verlust unserer Wert geht: „Es ist uns gelungen, alle Werte aufzulösen, und nun müssen wir hineinspringen, und nur, wenn wir den Mut haben, dort hineinzuspringen in dieses Nichts, können wir die eigensten innersten schöpferischen Kräfte wieder wecken und (…) eine neue Wertewelt aufbauen.“
Michael Ende wollte mit seinen Büchern nicht belehren. Aber trotzdem können wir gerade heute eines von ihm lernen: In eine Geschichte hineinzuspringen, um uns – vielleicht gerade in den Krisen – wieder zu finden. Und Michael Ende hat mit seinen wunderbaren Geschichten viel Stoff dafür erfunden, um hineinzuspringen und in unseren Lebenskrisen mit Momo und Jim Knopf verändert wieder herauszukommen.
Geschichten, die in Krisen und in Zeiten der Bedrohung Mut machen, die von Befreiung erzählen und von Vertrauen, die brauchen wir heute umso dringender. Geschichten davon, dass Liebe stärker ist als Zerstörung und Tod. Geschichten, die unsere schöpferischen Kräfte wecken, weil sie uns vor Augen stellen, was für Geschöpfe wir sind. Geschichten, die dem Nichts entgegenstehen und uns anregen, unser Leben zu verändern.
Vielleicht ist nicht jede eine unendliche Geschichte, aber unendlich wichtig sind sie allemal.
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