Jahreslosung
Mein Glaube an Gott hat in einer tiefen Krise gesteckt. Ich war um die 20 Jahre alt und habe Evangelische Theologie studiert mit dem Ziel, Pfarrer zu werden. Und nun hatte ich so große Zweifel an Gott: Wie kann Gott das ganze Leid in dieser Welt zulassen? Die vielen Toten der Kriege. Auschwitz. Hiroshima. Mir wollte das nicht mehr in Herz und Kopf und Gott war ganz weit weg.
In dieser Zeit habe ich viel gebetet. Bin auch immer wieder mal in eine geöffnete Kirche gegangen und habe lange in einer der letzten Bänke gesessen und nachgedacht und gerungen und gehofft. Ich wollte doch glauben. Aber es fiel mir so schwer.
Diese Glaubenskrise ist nicht schnell und einfach weggegangen. Die Gottesfinsternis hat sich nur langsam aufgehellt. Das Ergebnis war nicht, dass mir alles klar war und ich alle Zusammenhänge verstand. Das Ergebnis war ein innerer Friede, ein zur Ruhe kommen, ein Zurückkommen in das zu Hause des Glaubens. Aber das war nicht das Ende aller Glaubenskrisen, sondern sie sind wieder gekommen und ich habe erneut mit Gott gerungen. Und gebetet. Und gehofft.
Die neue Jahreslosung – also sozusagen das biblische Motto für das Jahr 2020 – ermutigt, solche Phasen des Lebens als Zyklen des Glaubens zu verstehen und anzunehmen. Sie lautet: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben.“