Die Sache mit der Demut
An der Kirchentür verwickelt mich ein Gottesdienstbesucher in ein Gespräch. Ihm gefällt nicht, dass im Christentum so oft das Wort „Demut“ vorkommt. Er findet, wir sollten uns nicht unnötig klein machen. Ehrgeiz sei etwas Gutes, meint er. „Wir wollen doch vorankommen! Es entwickelt sich doch nichts, wenn wir immer nur in Demut erstarren.“
Wir reden eine ganze Weile. Unsere Auffassungen über Demut liegen sehr weit auseinander. Für ihn schwingt da jede Menge Selbsterniedrigung und Unterordnung mit. Dabei hat das mit Demut im eigentlichen Sinne gar nichts zu tun.
Was ist das eigentlich genau – Demut? Wann immer dieses Wort in der Bibel vorkommt, ist damit Hingabe gemeint. Ich erkenne an, dass es etwas Höheres gibt. In der Bibel ist das Gott. Und meine Gesinnung ist es, ihm zu dienen, also durchaus etwas Aktives. Leben und Handeln in Respekt und Wohlgesonnenheit.
Wenn ich mich Gott in Demut ergebe, hat das absolut nichts Demütigendes, sondern das genaue Gegenteil ist der Fall! Er will mich ja groß machen. Immer wieder heißt es: Stell‘ dein Licht nicht unter den Scheffel; wuchere mit deinen Begabungen; und wenn du nicht weiter weißt, sag’s mir, ich helfe dir.
Am Schluss sind wir beide uns einig: Was uns wirklich nervt, ist aufgesetzte Demut, denn das ist kriecherisch und scheinheilig. Echte Demut dagegen ist eine vernünftige Haltung, die uns davor bewahrt, in Hochmut und Selbstgerechtigkeit zu erstarren.
Manchmal lohnt es sich, den Wörtern auf den Grund zu gehen.