Serviceagentur
Das Telefon klingelt. Am andern Ende eine Frau, die mich „buchen will“. Für eine katholische Trauung. Auf einer Burg. Gut 300 Kilometer weit weg. Ich frage: „Wie sind Sie denn auf mich gekommen?“ Sie: „Wir waren auf einer Trauung, die Sie gemacht haben. Und mein Verlobter und ich dachten gleich: Die nehmen wir. Und jetzt wollen wir mit Ihnen in die Planung gehen!“
Ich sage: „Gute Frau, ich fühle mich wirklich geehrt und geschmeichelt. Aber ich kann nicht mit Ihnen in die Planung gehen. Ich bin evangelische Pfarrerin.“ Die Frau, total überrascht, erwidert nur: „Na und?“
Ich versuche ihr zu erklären, wo das Problem liegt. Aber sie will nicht verstehen, warum evangelische Pfarrer keine katholische Trauung machen können. Und auch, dass Pfarrer immer nur für ein bestimmtes Gebiet zuständig sind, leuchtet ihr nicht ein.
Irgendwann meint sie völlig genervt: „Sagen Sie, was Sie haben wollen. Am Geld soll’s nicht liegen!“ Ich kann erst mal gar nichts sagen. Und sie fängt an mit ihren Angeboten: Fahrtkosten, Stundenlohn, Kost und Logis. Es läppert sich ordentlich was zusammen. Wäre ein nettes Zubrot. Und sie ist bass erstaunt, dass ich nicht hocherfreut zugreife.
Am Ende haben wir fast eine Stunde telefoniert. Die Frau weiß nun in etwa, wie Kirche funktioniert: Dass Pfarrer an ihren Ort gebunden sind – und vor allem an ihre Konfession. Trotzdem findet sie es schade, dass man nicht einfach die Person seiner Wahl „buchen“ kann. Ich habe ihr spaßeshalber vorgeschlagen, die Konfession zu wechseln und zur Trauung zu mir zu kommen. Aber das war ihr dann doch zu viel….