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Unergründliche Überraschungen

Das Leben ist voller Überraschungen. Ich meine
unerwartete Ereignisse, die im Laufe eines Tages
passieren können: Ein unangemeldeter Besuch, eine
verschlossene Tür des Lieblingsrestaurants, ein Geschenk,
ein Anruf eines alten Freundes oder wie bei mir kürzlich
ein ungeplanter Zahnarztbesuch.

Kurz zuvor hatte sich nämlich bei der routinemäßigen
Kontrolluntersuchung rausgestellt, dass ich eine Plombe
brauche. Kaum hatte diese Information mein Gehirn
erreicht, setzte auch schon der Fluchtreflex ein und ich hab
mich aus der Praxis verabschiedet ohne direkt einen
Termin auszumachen. Ich habe keine Angst vor dem
Zahnarzt. Ich mag einfach keine Überraschungen. Die
Nachricht hatte mich überrumpelt.

Sind Überraschungen deswegen etwas Schlechtes? Ich
finde nicht. Ich weiß, es ist nicht möglich, sich vor
unerwarteten Ereignissen des Lebens zu schützen.
Außerdem sind viele meiner glücklichsten Erinnerungen
mit unerwarteten Ereignissen verbunden. Unterm Strich
bereichern sie das Leben. Die Kontrolluntersuchung hat
mich auf ein Problem aufmerksam gemacht, dessen
Lösung auf lange Sicht nur Gutes bringt.

Als ich nach der Routineuntersuchung wieder nach Hause
komme, checke ich meine E-Mails und stelle überrascht
fest, dass ich in Kürze einen Kollegen in seiner Vorlesung
vertreten darf. Das habe ich nicht kommen sehen. Was soll
ich sagen, Paulus hatte Recht: „Wie unergründlich sind
doch Gottes Entscheidungen und unerforschlich seine
Wege!“ (Röm 11,33 ZÜR).