Viele Luftballons und ein Kreuz
Die roten und weißen Luftballons flackern im Wind. Ich sehe sie, als ich mit meinem Hund am Friedhof bei uns im Dorf vorbeigehe. Insgesamt drei Luftballons sind da mit Bändchen an einem Holzkreuz festgebunden. Das Grab darunter ist noch frisch. Erst vor ein paar Tagen ist Markus, der eigentlich anders heißt, hier begraben worden. Bei der Beerdigung haben seine Eltern, Verwandten und Freunde viele, viele Luftballons steigen lassen. Die allermeisten sind in den Himmel geflogen, nur ein paar haben sich mit ihren Bändchen in den Bäumen rund um den Friedhof verheddert. Irgendjemand hat sie da dann am nächsten Tag rausgeholt und an das Holzkreuz gebunden.
„Der Mensch, den wir lieben, ist nicht mehr da, wo er war. Aber er ist überall, wo wir sind und seiner gedenken.“ Das hat der Theologe und Philosoph Augustin schon vor rund 1500 Jahren gesagt. Und ich finde, er hat recht damit. Markus ist tot. Er lebt nicht mehr auf der Erde. Wie die vielen Luftballons, die in den Himmel gestiegen sind, ist auch er nicht mehr hier. Aber ganz und gar weg ist er trotzdem nicht. Markus wohnt nach wie vor bei uns im Dorf. Ja, Sie haben richtig gehört. Nicht wohnte, sondern wohnt. Nicht Vergangenheit, sondern Gegenwart.
So wie ein paar Luftballons auf der Erde geblieben sind und jetzt sein Grabkreuz schmücken – so ist es auch mit Markus. Ein Teil von ihm lebt hier auf der Erde weiter. In seinen Eltern, seinen Verwandten und Freunden. In all den Menschen, in deren Leben er Spuren hinterlassen hat und die ihn nicht vergessen. Die fröhlich und traurig an ihn denken. Und die untereinander sagen: „Weißt Du noch? Damals, als Markus dieses oder jenes getan hat. Und weißt Du noch, wie wir die roten und weißen Luftballons haben steigen lassen? Damals – auf seiner Beerdigung.