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Autofische

Es gibt ihn in schillernden Farben und in schwarz-weiß. Mal ganz aufwendig gestaltet, aber meistens
eher sehr schlicht. Nämlich nur als zwei bogenförmige Linien, die vorne spitz zusammenlaufen und
sich hinten überschneiden. Ich meine den Fisch als Aufkleber auf Kofferraumdeckeln oder
Heckscheiben von Autos. Ein christliches Symbol, das knapp 2000 Jahre alt ist und als Autoaufkleber
wohl ausdrücken soll: Hier fährt ein Christ!

Mein Problem damit ist allerdings: Oft merke ich davon nicht sehr viel. Jesus hat ja mal gesagt: „Selig
sind die Sanftmütigen!“ Auf der Straße gilt das aber offenbar nicht so richtig.
Christen, zumindest die mit Fisch, fahren auch nicht anders als alle anderen – das ist meine
Erfahrung. Gerade im Urlaub habe ich sie wieder gemacht. Sie überholen knapp und zwingen mich
beim Einscheren zum Bremsen. Sie hupen und drängeln, wenn’s ihnen zu langsam voran geht und sie
gestikulieren wild und aufgeregt mit den Armen, wenn irgendjemand sich nicht so verhält, wie sie es
gerne hätten. Der Fisch am Heck soll dann wohl sagen: „Der Herr ist mein Hirte, nicht deiner! Du
Schaf!“
Autofahren erfordert Rücksichtnahme. Von uns allen. Da spielt es überhaupt keine Rolle, ob da
jemand meint, im Namen des Herrn unterwegs zu sein oder in eigener Mission. Das ist keine Frage
des Glaubens, sondern der Vernunft.
Ich gehe davon aus, dass alle anderen Verkehrsteilnehmer im Grunde dasselbe wollen wie ich.
Nämlich heile und gesund an ihr Ziel zu gelangen. Meinen Teil dazu beitragen, dass das auch gelingt –
das kann ich mit, aber auch ohne Fisch-Aufkleber.
Übrigens: Auf meinem Kofferraum klebt keiner. Bei mir baumelt er am Autoschlüssel.