Ganz schön weltlich
Ich habe in einer fremden Gemeinde den Gottesdienst gehalten. Gerade will ich mich auf den Heimweg machen, da spricht mich noch jemand an: „Ich höre Sie schon lange im Funk. Ganz gern sogar. Aber mir fällt auf: Manches klingt da ganz schön weltlich. Da muss ich schon mal nachdenken, was das mit Kirche und Glauben zu tun hat.“ Ich denke, ich weiß, was er meint. Aber sind meine Themen wirklich so „weltlich“? Ja und nein.
Ich habe größten Respekt vor dem weltabgeschiedenen Einsiedler, der nur für seinen Glauben lebt. Aber näher steht mir der evangelische Theologe Jörg Zink. „Sieh nach den Sternen, gib acht auf die Gassen“ nennt er seine Erinnerungen. Darin schreibt er zum Beispiel: „ Was ich glaube und was ich von meinem Glauben aus für meine Aufgabe halte, hängt … immer mit unzähligen Faktoren zusammen. … Es ist immer auch Wirkung der politischen oder sozialen Geschichte, in der meine Lebensspanne verläuft.“ Und ich füge hinzu: Nicht nur das zählt, was weit weg geschieht, bei denen da oben, sondern auch das im kleinsten privaten Umfeld. Alles hängt zusammen. Deshalb sehe ich hinter den weltlichen Situationen, die ich zur Sprache bringe, durchaus das Glaubensthema. Wenn es nicht immer und nicht jedem deutlich wird, ist das nicht Absicht, sondern Folge meiner Unzulänglichkeit.
Im 1. Johannesbrief ist zu lesen: Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, wie kann er Gott lieben, den er nicht sieht? Meinen kleinen Beitrag sehe ich im Werben dafür, dass Menschen über die Liebe zu den Geschwistern offen werden für die Liebe zu Gott. Ob das überhaupt möglich ist, weiß ich nicht. Aber versuchen möchte ich es.