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Alles hat seine Zeit!

Oh? Schon fünf nach sieben!? Ich trinke noch schnell den letzten Rest Kaffee, während ich schon in die Jacke schlüpfe. Das Käsebrot packe ich ein für unterwegs und auf dem Weg nach draußen nehme ich noch den Müll mit. Puh! Wann habe ich eigentlich das letzte Mal durchgeatmet?

Der französische Schriftsteller Antoine des Saint-Exupery erzählt in seiner Geschichte vom kleinen Prinzen von einem Laternenanzünder, dem es wohl ähnlich wie mir geht. Früher war seine Aufgabe sinnvoll: Er hat morgens die Lampe auf seinem kleinen Planeten gelöscht, abends wieder angezündet. Das war die Anordnung. „Und was hat sich seit dieser Zeit an der Anordnung verändert?“, fragt der kleine Prinz. „Die Anordnung hat sich nicht geändert“, sagt der Laternenanzünder verzweifelt. „Das ist ja die Tragödie! Der Planet dreht sich von Jahr zu Jahr schneller. Ein Tag dauert bloß noch eine Minute. Ich komme gar nicht mehr zur Ruhe!“
Das kommt mir bekannt vor. Alles muss ich immer schneller machen, am besten zwei Sachen auf einmal erledigen. Ich soll bitte nur noch funktionieren. Wo bleibt da noch Zeit für mich?

Ein Prediger im Alten Testament antwortet auf diese Frage: „Alles hat seine Zeit und jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde!“ Das klingt gut: Alles hat seine Zeit. Aber das heißt ja auch: Alles braucht seine Zeit. Die Arbeit, aber auch das Durchatmen und Ausruhen. Und wenn ich Zeit für mich haben möchte, dann muss ich Sie mir nehmen. Denn wenn ich es nicht mache, macht es keiner. Und dann drehe ich mich am Ende nur noch um mich selbst – wie der Laternenanzünder. Deswegen habe ich mir für diese Woche ganz andere Termine in den Kalender geschrieben: Mama anrufen, Badewanne einlassen und Yogakurs. Damit alles, was seine Zeit braucht, auch seine Zeit hat.