Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind
Sonntagmorgen. Es ist Gottesdienst, die Glocken läuten, um die Gemeinde in die Kirche zu rufen. Und am Ende sind gerade einmal drei Leute gekommen. Tapfer mache ich bei der Begrüßung ein paar Bemerkungen über das schöne Sommerwetter, dass sicher viele zu einem Ausflug nutzen. Auf diese Weise tröste ich mich über die leere Kirche hinweg und halte brav meinen Gottesdienst.
„Ich stehe für sowas nicht mehr zur Verfügung“, hat mir ein Kollege kürzlich mitgeteilt, der eine Vertretung für mich übernommen hatte, bei der auch nur zwei oder Personen gekommen waren. Im ersten Moment hat mich das geärgert: Für wen hält der sich? Ich bin mir dazu doch auch nicht zu schade. Außerdem hat Jesus doch gesagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“!
Ja, das hat er gesagt. Aber erstens in einem ganz anderen Zusammenhang. Und zweitens mag es damals auch wirklich okay gewesen sein, wenn sich nur eine Handvoll Christen versammelt hat. Als das Christentum noch eine kleine neue Sekte war und nicht die größte der Weltreligionen. Als Christen noch verfolgt wurden und es ein Risiko war, in den Gottesdienst zu gehen. Aber wir Christen müssen uns hierzulande – zum Glück – längst nicht mehr heimlich in irgendwelchen Katakomben treffen, damit der Kaiser sie nicht in der Arena den Löwen zum Fraß vorwirft. Wir leben in einem freien Land und wir können sonntags ganz offen in die Kirche gehen – wenn wir wollen. Die meisten wollen aber offenbar nicht. Warum nicht?? Es liegt sicher nicht am schönen Sommerwetter. Es zieht die Leute einfach nicht in die Kirche. Warum nicht??
„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ Ein schöner Vers. Und die drei Besucher neulich in der Kirche haben sich gefreut, dass ich extra für sie einen ganzen Gottesdienst gehalten habe. Aber mein verärgerter Kollege hat recht – das ist zu wenig! Nicht für mich oder für ihn – sondern für Gott und seine Frohe Botschaft!
„Wo zwei oder drei…..“ Dieser Vers ist bloß ein Trostpflaster. Er verdeckt, was eigentlich gesagt werden müsste, nämlich: „Warum kommen nicht mehr? Und was können wir – um Gottes willen! – dagegen tun?“ Das zu fragen und Antworten darauf zu finden ist in jedem Fall besser als einfach weiterzumachen, bis auch die letzten zwei oder drei nicht mehr kommen.