Beiträge

Irritierende Anteilnahme

Ein Frosch telefoniert. Er sagt fröhlich: „Nein, nein, du hast mich nicht aufgeweckt. Ich klinge immer so!“ Vermutlich hatte sein unsichtbares Gegenüber gerade gesagt: „Du klingst so, als ob ich dich  grade aus dem Bett geholt habe.“

Frösche machen sowas natürlich normalerweise nicht. Nur in Karikaturen. Aber ich bin sicher, die meisten von uns werden das selbst schon mal erlebt haben: Unser Gesprächspartner am Telefon meldet uns zurück: „Du klingst heute irgendwie komisch. Alles in Ordnung?“ Oder wenn wir jemanden auf der Straße treffen, hören wir gelegentlich: „Du siehst gar nicht gut aus. Ist was?“

Vermutlich ist das als Zeichen der Anteilnahme gemeint. Man zeigt sich einfühlsam, besorgt. Dabei kann das für den so Angesprochenen manchmal schon ziemlich irritierend sein. Wenn er sich nämlich ganz normal fühlt, aber heute eben anders aussieht oder klingt als sonst. Aus welchem Grund auch immer. Jedenfalls wünsche ich mir in solchen Situationen, dass ich einfach so akzeptiert werde, wie ich gerade bin oder klinge. Ohne mich erklären oder rechtfertigen zu müssen.

Das biblische Gebot „Du sollst dir kein Bildnis machen“ hat auch damit zu tun, dass wir uns sehr oft ein starres Bild von unseren Mitmenschen machen und sie daran messen. Wenn wir sie dann anders erleben, haben wir das Gefühl, sie müssten uns das erklären. Müssen sie aber gar nicht. Wir aber müssen lernen, sie so zu akzeptieren, wie sie sind. Jeden Tag neu.