Noch ist nicht Ostern
Ich weiß nicht, wie viele Menschen mir in den letzten Tagen schon frohe Ostern gewünscht haben. Es waren definitiv eine ganze Menge. Immer, wenn sich irgendwer verabschiedet hat, hieß es nicht nur „Tschüss“ oder „Auf Wiedersehen“, sondern es wurde meistens noch ein „Frohe Ostern“ hintendran gehängt.
Natürlich: Alle haben das total nett gemeint, ich weiß. Aber trotzdem geht mir dieses Frohe Ostern-Wünschen bevor Ostern ist, ein bisschen auf den Zeiger. Ich denke dann immer: Nein! Noch ist nicht Ostern. Erstmal kommt Karfreitag und dann noch der Karsamstag. Ist doch auch irgendwie logisch, oder? Bevor Jesus von den Toten auferstehen kann – das passiert an Ostern – muss er erstmal sterben und tot sein (das passiert am Karfreitag und Karsamstag).
Aber diese beiden Tage werden offensichtlich gerne mal verdrängt. Kann ich ja auch irgendwie verstehen. Ich möchte das auch manchmal tun. Denn Leiden, Qualen, Schmerzen, Sterben und Totsein – das ist nichts Schönes. Aber letztlich werden wir alle nicht dran vorbeikommen. Ich hoffe zwar, dass wir alle einen friedlichen, schmerzfreien Tod haben werden – aber Sterben müssen wir. Und Leid und Schmerzen, das kennen wohl auch die meisten von uns schon aus ihrem bisherigen Leben. Ich jedenfalls kenne niemanden, dessen Leben immer und ausschließlich schön verläuft.
Und genau darin liegt für mich auch eine Chance: Ich glaube, das Schöne, das Freudige, das Bunte und Helle im Leben – das kann ich viel mehr wertschätzen und genießen, wenn ich mir dann und wann auch das Leid, das Sterben und den Tod bewusst mache. Heute, am Karsamstag, ist eine gute Gelegenheit dafür.