Beiträge

Rückgrat zeigen

Im christlichen Glauben ist er eine echte Berühmtheit. Ich meine, wer kann schon von sich sagen, dass sein Name im Glaubensbekenntnis vorkommt? Neben Gott, Jesus, dem Heiligen Geist und Maria? Na, kommen Sie drauf, wen ich meine?

Ich rede von Pontius Pilatus, dem römischen Statthalter in Jerusalem. Er war es, der Jesus zum Tod verurteilt hat. Heute, am Karfreitag vor rund 2000 Jahren. Allerdings erst, nachdem er sich zuvor symbolisch die Hände gewaschen hatte. „Ich bin unschuldig. Das Blut von Jesus klebt nicht an meinen Händen“ wollte er damit deutlich machen.

Hat allerdings nicht so ganz geklappt. Einfach mal die Hände waschen und schon muss ich keine Verantwortung mehr übernehmen für meine Entscheidungen? Schön wär das vielleicht, aber so funktioniert es nun mal nicht. Pilatus war einfach feige. Er hat gesehen: Da steht eine aufgebrachte Menschenmenge vor meinem Palast, die wollen, dass ich Jesus zum Tode verurteile. Und er wusste: Wenn ich der Menge ihren Wunsch nicht erfülle, dann wird es Tumult geben. Also mache ich das, was sie wollen, auch wenn ich Jesus für unschuldig halte.

Auf diese Weise ist Pilatus zum Buhmann geworden. Aber: Wenn ich mal genauer drüber nachdenke, muss sich feststellen: Oft verhalte ich mich genauso wie er. Da treffe ich Entscheidungen nach dem Motto: „Was bringt mir den wenigsten Ärger und den größten Gewinn?“ Rückgrat zeigen sieht anders aus.

Und deshalb finde ich es gut, dass Pilatus so berühmt ist, dass er sogar im Glaubensbekenntnis vorkommt. Denn so werde immer wieder mal an seine und an meine Fehler erinnert. Und ich nehme mir vor, es künftig besser zu machen und mehr Rückgrat zu zeigen. Zumindest dann und wann.