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Radio-Orchidee

Seit den 90ern sind sie eine meiner Lieblingsbands: Fury in the slaughterhouse, kurz: Fury. Mit Liedern wie Time to wonder, Won´t forget these days oder Bring me home haben sie so eine Art Soundtrack zu meiner Jugend geliefert.

Mein absolutes Lieblingslied von Fury aber ist Radio Orchid, auf deutsch: Radio Orchidee. Darin geht’s um eine alte Frau. Seit ihr Mann gestorben ist, geht sie nicht mehr aus dem Haus – zu tief sitzt die Trauer.

 

Einspieler: Radio Orchid (0´12-0´33)

(„There´s an old lady living in an old house, since her husband died she hasn´t been out. She lives in her own world with her own little nightmares and she stopped counting the days”)

 

Aber dann verändert sie etwas in ihrem Leben. Von dem Geld, das ihr Mann ihr vererbt hat, kauft sie einen Radiosender, nennt ihn „Radio Orchid“ und macht ihr eigenes Programm. Das besteht zu einem großen Teil aus Gesprächen mit ihren Hörern. Die können bei der alten Frau anrufen und sich alles von der Seele reden, was sie bedrückt. Ihren ganzen Schmerz, ihre Probleme – alles, was ihnen das Leben schwermacht.

 

Einspieler: Radio Orchid (1´25-1´48)

(„This is Radio Orchid, listen and cry to all the others that suffer and die. This is Radio Orchid, listen and cry. Take a lonely heart and let it fly”)

 

Für mich ist das, was die alte Frau da macht, Seelsorge im wahrsten Sinne des Wortes: Reden lassen, zuhören, Stille aushalten, weinen lassen. Dafür braucht es nämlich nicht in erster Linie eine Pfarrerin oder einen Pfarrer. Dafür braucht es eigentlich nur Menschen.