Birne
Oktoberzeit ist Erntezeit: Die Kirchengemeinden haben Erntedank gefeiert.
Wenn ich „Oktober“ oder „Ernte“ höre, fällt mir die Birne ein. Ich erinnere mich an Birnen, die nach nichts geschmeckt haben und steinhart waren. Und ich weiß von Birnen, die herrlich im Geruch, goldgelb in der Farbe und einzigartig im Geschmack waren.
Im Garten meiner Kindheit standen zwei Birnenbäume. Im Oktober wurden die Früchte geerntet, ansehnlich waren sie da aber noch nicht. Sie mussten lange im Keller liegen. Erst dann bekamen sie Geschmack und ließen sich gut essen.
So ist es auch mit manchem in meinem Leben: da taucht eine dringende Frage auf. Und ich denke: das müsste ich jetzt sofort lösen. Das müsste sofort vom Tisch. Dann handele ich unüberlegt. Fehler passieren, die nicht hätten sein müssen.
Das geht zwar nicht immer. Aber wenn ich mir dann doch die Zeit nehmen kann, eine Angelegenheit in Ruhe zu überdenken, sind die Ergebnisse oft besser.
Die Birnen aus meiner Kindheit lehren mich: Manches braucht eben seine Zeit. Zeit, um sich zu entwickeln und zu reifen und ist dann umso einfacher zu lösen. Geduld kann schwierig sein, lohnt sich aber.
Wenn unsere Birnen reif waren (oft erst im Januar), gab es immer ein Festessen. Und wir waren uns einig: „Wie gut, dass wir doch gewartet haben“.