4 Minuten 37 Sekunden
Mein Handy vibriert: „Neue Sprachnachricht erhalten: 4 Minuten 37 Sekunden.“
Muss das sein? Wirklich jetzt? Ich bin unterwegs, hab einen Termin nach dem anderen, mein Tag ist stressig– und jetzt schickt mir jemand auch noch einen kleinen Podcast! Zugegeben: Mich anzurufen hätte wahrscheinlich auch nicht viel gebracht. Dafür hätte ich erst recht keine Zeit gehabt.
Am Abend schaue ich wieder auf mein Handy. Und da steht immer noch: 4 Minuten und 37 Sekunden. Beim Essen drücke auf Play. Eigentlich nichts Weltbewegendes. Da erzählt mir jemand einfach, was an diesem Tag passiert ist. Was gut lief und was weniger, was genervt, was gefreut hat. Und endet mit: „Danke, dass du dir das angehört hast.“
Dieser Satz bleibt bei mir hängen. Für mich waren das gerade einfach 4 Minuten und 37 Sekunden beim Abendessen. Aber für einen anderen Menschen waren diese 4 Minuten und 37 Sekunden offenbar wichtig. Wichtig genug, sie aufzunehmen. Und wichtig genug, sie ausgerechnet mir zu schicken. Und ich soll nur zuhören. Mehr nicht. Ich muss kein Problem lösen. Ich muss keinen klugen Rat haben. Nur dem, was einen anderen beschäftigt, für ein paar Minuten bei mir einen Platz geben.
Ich tippe als Antwort: „Kein Problem! Gerne!“
Dann schau ich den Satz kurz an. Ich lösche ihn wieder. Und drücke den Aufnahme-Knopf.