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Wind

Im Wagen vor mir fährt ein junges Pärchen. Eben haben sie mich überholt und ihr offenes Cabrio fährt jetzt direkt vor mir. Den Wind um die Ohren und die Sonne direkt im Gesicht – Ich bin ein bisschen neidisch. Ich würde jetzt gern auch Cabrio fahren.

Auf einmal streckt die junge Frau auf dem Beifahrersitz beide Arme nach oben. Mal die Finger geschlossen, mal die Finger weit gespreizt, als wolle sie den Wind erhaschen, festhalten, was ihr durch die Finger fließt. Ich ahne, wie gut es sich anfühlt. Sie kann gar nicht genug davon bekommen. So scheint es.

Haschen nach Wind – denke ich – ist doch eigentlich eine sinnlose und vergebliche Mühe. Auch im übertragenen Sinn. Wer versucht, den Wind einzufangen, verschwendet seine Energie auf etwas Flüchtiges, das nicht festgehalten werden kann. Die Redewendung stammt aus der Bibel:

Ich sah alles Tun, das unter der Sonne geschieht und siehe, es war alles eitel und ein Haschen nach Wind.

So beschreibt es ein Prediger schon vor mehreren tausend Jahren. Er hat erfahren, wie man sich für ein Ziel verausgabt und am Ende feststellen muss: Der vermeintliche Erfolg ist wertlos oder löst sich in Luft auf.

Ja, denke ich, das stimmt schon. Aber die Frau, die da die Arme in den Wind streckt zeigt mir: Haschen nach Wind kann auch der schönste Ausdruck von Freiheit und purem Glück sein. Einfach den Moment genießen, auch wenn er flüchtig ist.

Ich wünsche Ihnen heute genau solche Cabrio-Momente im Alltag – fangen Sie ein bisschen Wind ein!